Wissenschaftskommunikation zwischen Risiko und (Un-)Sicherheit

Wissenschaftskommunikation zwischen Risiko und (Un-)Sicherheit

hg. von Georg Ruhrmann, Sabrina Kessler und Lars Guenther

Köln: Herbert von Halem 2016, 248 Seiten, 29,50 EUR
ISBN 978-3-86962-196-8

(vo) Dieser Sammelband dokumentiert zehn Texte von 25 Autoren – Ergebnis einer Tagung 2015. Nach zwei einführenden Texten wird das Thema aus der Perspektive der Kommunikatoren/Journalisten, darstellungsbezogen, sowie aus der Perspektive der Rezipienten diskutiert. Seit den 90er Jahren hat sich die Wissenschaftsberichterstattung in zahlreiche Formate und Programme ausdifferenziert. Dabei sind gerade Gesundheitsthemen komplex und es ist für Laien schwierig, hierbei zu erkennen, welche Informationen als wissenschaftlich gesichert gelten können. Bei Berichten über neue wissenschaftlichen Verfahren teilen Journalisten Unsicherheiten dabei eher mit als bei Berichten über klassische wissenschaftliche Themen. Belegstrukturen für wissenschaftliche Erkenntnisse werden als Evidenzframes bezeichnet. Für den Journalismus können Lehmkuhl/Peters aufzeigen, dass Journalisten über Mehrdeutigkeiten auch berichten, wenn sie sie wahrnehmen. Nach australischem Vorbild bewerten seit 2010 auf medien-doctor.de an der TU Dortmund Gutachter aus Wissenschaft und Medizin wissenschaftsjournalistische Beiträge in deutschen Medien. Serong/Anhäuser/Wormer beschreiben die Grenzen dieses Verfahrens und regen eine Einbindung von PR-Experten in den Gutachterkreis an. Es zeigt sich zudem, dass die Qualitätssicherung bereits bei den wissenschaftlichen Quellen ansetzen muss. Hassler/Maurer/Oschatz zeigen in Ihrer Untersuchung, dass bei klimawissenschaftlichen Befunde die in den Befunden ausgewiesene Irrtumswahrscheinlichkeit von Journalisten in der Berichterstattung oftmals unterschlagen werden. Eine progressive Redaktionslinie wirkt auf diese Fehldisposition unterstützend. Metag und andere thematisieren unter anderem, dass die Bebilderung von Berichten des Klimawandels mit Personen aus der Politik die Chance verschenken, die Wichtigkeit und Selbstwirksamkeit des Themas beim Medienpublikum zu evozieren. Weitere Beiträge benennen die Wirkung von Bebilderungen (zumeist positive Stützung der Berichterstattung) oder von Zahlen (Unsicherheiten in Daten werden kaum erkannt). Insgesamt spricht aus den Forschungsprojekten für die Praxis: Journalisten sollten in ihren Beiträgen deutlich und nachhaltig auf Unsicherheiten wissenschaftlicher Befunde hinweisen.

Fazit: Wer Zeit hat und den oft verschachtelten Textstil vieler Beiträge aushält, kann den Sammelband mit Gewinn ganz lesen. Allen anderen Interessenten werden die zusammenfassenden Diskussionen am Ende der jeweiligen Beiträge zur Lektüre empfohlen.

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