Mecklenburger Nachrichten, Fragen und Anzeigen

Mecklenburger Nachrichten, Fragen und Anzeigen

von Bernd Schattinger

Schwerin: Mecklenburgica 2018, 88 Seiten, 12 EUR
ISBN 978-3-86062-035-9

 

(av) Wer sich kompakt, gut gegliedert und lesbar geschrieben intensiver darüber informieren möchte, was Intelligenzblätter waren und welche Funktionen sie erfüllten, dem sei dieses Werk empfohlen. Der Autor analysiert das in Schwerin von 1749 bis 1867 erschienene Periodikum. Intelligenzblätter waren als amtlich zugelassene Mitteilungsblätter ein eigener Zeitungstyp, der die Kriterien der Tagespresse nicht erfüllte, sondern nach heutigen Begriffen mit amtlichen Mitteilungen, Rubrikenanzeigen und Inseraten gefült war. Die Mecklenburger Nachrichten erschienen zunächst nur Samstags, später dann Mittwochs und Samstags. Der Autor untersucht detailliert sowohl die Produktionsbedingungen, die Struktur und die Inhalte. Deutlich werden die Beziehungen zur herzoglichen Regierung, die Vernüpfung der Redaktion mit der Funktion des Postmeisters und die Trennung von Redaktion und Druck.

Besonders interessant sind die im Intelligenzblatt zunächst abgedruckten, später dann als Beilage erschienenen „Gelehrten Beiträge und Sachartikel“. Die Herzöge waren interessiert an der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus den Universitäten Rostock und zeitweise Bützow in die Bevölkerung. Der Autor erfasst und kategorisiert diese Beiträge, wodurch sich ein guter Einblick in die Inhalte ergibt.

Weil die Professoren aber nur zögerlich lieferten, wurden sie rund 40 Jahre lang per Anweisung verpflichtet, dem Intelligenzblatt geeignete Artikel zuzuliefern. Das wäre ja mal ein Lösungsweg für das heutige Lamento im 21. Jahrhundert über Defizite in der Wissenschaftsvermittlung. Herzog Friedrich kritisiert die Professoren 1776, die Beiträge seien nur für Fachwissenschaftler verständlich, ansonsten „allen übrigen Gelehrten und Ungelehrten aber unverständlich und unangenehm“, in der Ausführung „außerordentlich weitläufig und ermüdend“.Er fordert stattdessen „kleine interessante Stücke aus der Kirchengeschichte, der Historie und der Statistik, gemeinnützige kurtze Rechts-Wahrheiten und Rechtsfälle, medicinische und chirurgische Bemerkungen, , Empfehlungen aus der Naturkunde (…) und dergleichenlesenswürdige Merkwürdigkeiten mit Weglassen aller, für Gelehrte von Profession allein verständlichen langen Ausführungen“.

Diese und weitere lehrreiche, aber auch unterhaltende Aspekte machen das Werk zu einem kurzweiligen Fach- und Sachbeitrag zur Entwicklung der Intelligenzblätter.

 

 

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