Wissenschaftskommunikation im Wandel

wiko1Wissenschaftskommunikation im Wandel

hg. von Mike S. Schäfer, Silje Kristiansen und Heinz Bonfadelli

Köln: Herbert von Halem 2015, 380 Seiten, 28,50 EUR
ISBN 978-3-86962-108-1

(vo) Wissenschaft steht heute unter Rechtfertigungsdruck, hat mitunter Aktzeptanzprobleme und wird durch ihre Finanziers evaluiert. Zugleich richtet sich die Ressourcenverteilung heute auch nach öfftenlichem Renommee und Verwertungserfolgen, zu denen auch Veröffentlichungen über die Sphäre der Wissenschaft hinaus gelten. In diesem Kontext hat die soziologische und kommunikationswissenschaftliche Forschung die Wissenschaftskommunikation als Gegenstand entdeckt.

27 Autoren hat dieser Sammelband mit dreizehn Aufsätzen zur Wissenschaftskommunikation, der als Tagungsband der Kommunikaionswissenschaft erschienen ist. Ziel der Publikation ist es nicht nur, den Wandel der Wissenschaftskommunikation zu skizzieren, sondern auch die „Breite des (…) Phänomens und der (…) Forschung aufzuzeigen“. Also ein typischer heterogener Tagungsband auf 374 Seiten. Und es sei vorausgeschickt: Die Stichworte „Medialisierung/Mediatisierung“ und „Entgrenzung“ finden sich zuhauf.

Der einleitende Artikel ist eine erweiterte Fassung der Antrittsvorlesung von Mike Schäfer an der Universität Zürich. Ausgehend von einer umfassend weiten Definition des Begriffs wird zunächst die Etabilierung der Wissenschaftskommunikation als Forschungsthema in der Soziologie und der Kommunikationswissenschaft in den letzten fünfzehn Jahren beschrieben. Dabei ist die Diagnose des Soziologen Peter Weingart von der „Verwissenschaftlichung der Gesellschaft“ bei gleichzeitiger „Vergesellschaftung der Wissenschaft“ der akzeptierte Rahmen der Forschungen.
Folgend werden jeweils drei Beiträge unter ein Hauptkapitel sortiert. Im Block intra-wissenschaftlichen Kommunikation Es lohnt ein Blick in den Artikel von Bucher/Niemann, weil der Begriff der Multimodalität als sinnkonstituierendes „Zusammenspiel aller verwendeter symbolischen Ressourcen“ (S. 76) auch für die Gestaltung und Analyse von Medien hilfreich eingesetzt werden kann.
Im Kapitel Kommunikation aus der Wissenschaft stellt der erste Beitrag zur Hochschul-PR von Friedrichsmeier/Laukötter/Marcinkowski fest, sie habe nur marginalen Einfluss auf überregionale Medienberichterstattung. „Die Eigenlogik der Printmedien ist intakt“ (S. 145). Im Abschnitt Kommunikation über Wissenschaft untersuchen Volpers/Summ Veränderungen der Wissenschaftsberichterstattung in Printmedien. Die wissenschaftsorientierte Berichterstattung über wissenschaftliche Projekte oder Befunde hat sich hiernach faktisch nicht verändert. Die Einbindung von Wissenschaftlern als Experten in thematischen Bericht findet überwiegend mit positiven Konnotationen statt. Methodisch handelt es sich bei dieser Studie allerdings nicht um eine Längsschnittuntersuchung, sondern die Ergebnisse für das Jahr 2011 bei der regionalen und überregionalen Tagespresse, ergänzt um ZEIT, Spiegel, Focus, wurden mit früheren Forschungen anderer Personen verglichen. Im letzten Block Rezeption und Effekte von Wissenschaftskommunikation zeigt eine Studie von Wolling/Arlt zur Energiewende auf, dass ein Themenframing durch Medienberichterstattung nicht belegbar ist. Entscheidender als die Medien an sich erscheinen die aktive Hinwendung zum Thema und die interpersonale Kommunikation, also Gespräche innerhalb der eigenen Peergroups.

 

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