Digitale Format-Entwicklung

Digitale Format-Entwicklung

Nutzerorientierte Medien für die vernetzte Welt

von Egbert van Wyngaarden

Köln: Herbert von Halem Verlag 218, 400 Seiten, 34 EUR
ISBN 978-3-7445-1118-6

 

(do) „Ein Publikum wird aufgebaut, nicht gefunden“ (S.314): Wie „Nutzerorientierte Medien für die vernetzte Welt“ entstehen, erklärt das neu erschienene Handbuch von Egbert van Wyngaarden. Systematisch und strukturiert veranschaulicht der Autor, welche Schritte der Projektentwicklung von der Nutzerforschung über Idee, Konzeption und Produktion bis hin zu Distribution und Marketing zurückzulegen sind. Dabei wird gleich im ersten Kapitel „Digital Erzählen“ dargelegt, welches Umdenken der Computer als „Ausdrucksmedium“ den herkömmlichen Prozessen der Medienproduktion gegenüber verlangt: Integration von Text, Bild, Film und Ton, „Remix-Kultur“, Vernetzung der User, Interaktion, Parallelnutzung, Aufmerksamkeitsökonomie, offenes Erzählen… Es wird plausibel, dass Medienprodukte nicht mehr als abgeschlossen zu betrachten sind, sondern als interaktive Prozesse, die weitergesponnen werden können. Womit sich auch die Basis der Wertschöpfung verändert: Nicht mehr der Verkauf einzelner Produkte liegt ihr zugrunde, sondern längerfristige Kundenbindung und Wertschätzung.

Obwohl van Wyngaarden seinen Schwerpunkt als Autor und Produzent in Film, Fernsehen und Online-Entertainment hat, gelingt es ihm, das Handbuch so weit als möglich branchen- und produktübergreifend zu konzipieren. Insbesondere die Vielzahl an Beispielen sind aus verschiedensten Kontexten genommen und beschränken sich nicht auf fiktionale und unterhaltende Formate. Interaktion und Nutzerbeteiligung sind zwei Kernkapitel, die User-Aktivitäten mit Motivation und Belohnung verknüpfen: „Mithilfe eingebauter Feedback-Loops fördern interaktive Medien die Selbstwirksamkeit ihrer Benutzer“ (S.144). Auch Serious Games und Edugames kommen hier zu Sprache. Beides Bereiche, die auch für Fachmedien von Interesse sein dürften.

Das Handbuch geht sein Thema von den Grundlagen her an und erleichtert den Lesern den Zugang mit vielen Check-Listen und grafischen Abbildungen. Die Beiträge machen auch digitalen Laien einsichtig, welche Bedeutung der Gestaltung der Nutzungs- und Navigationsoberflächen zukommt und wie viele Faktoren hier zu berücksichtigen sind. Zudem bewegt sich der Autor aber stets auf der Höhe der Diskussion, indem mit Themen wie Big Data, Datenjournalismus, Deep Learning und dem Internet der Dinge auch kommende Entwicklungen mitgedacht werden. Der Schwerpunkt der Darstellungen liegt jedoch stets auf der praktischen Anwendbarkeit: So erklärt das Kapitel F über Projektmanagement etwa die Methode des „Design Thinking“, den Ansatz des „Agilen Arbeitens“ und die Funktionsweise von „Scrum-Teams“, aber auch grundlegende Kreativ-Techniken.

Fazit: Ein „Werkzeugkasten“ zur digitalen Formatentwicklung. Das Buch eignet sich insofern besonders für Einsteiger oder als Weiterbildung im Bereich digitaler Formate.

(Diese Rezension erschien zuerst in impresso, Ausgabe August 2018)

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