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Lüönd, Karl:
Ringier bei den Leuten. Die bewegte Geschichte eines ungewöhnlichen Familienunternehmens
Zürich: Verlag NZZ 2008. 520 S. 19,80 SFR / 12,80 Euro. ISBN 978-3-03823-400-5.
(do) Der Schweizer Medienkonzern Ringier hat anlässlich seines 175-jährigens Bestehens diese Unternehmensgeschichte in Auftrag gegeben, die sich als "journalistisches Sachbuch" (S. 30) verstanden wissen will. Der Autor war langjähriger Mitarbeiter des Konzerns und bringt als heutiger Leiter des Medieninstitutes des Verbandes Schweizer Presse somit zugleich eine Innensicht und eine breite Branchenkenntnis mit ein. Neben der vorliegenden Publikation, die als Festschrift auch PR-Funktion erfüllt - was etwa in der üppigen Bebilderung zum Ausdruck kommt - hat Ringier aber zudem das Institut für Medienwissenschaften der Universität Bern mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Konzerngeschichte betraut. Das ist mehr als viele andere Medienkonzerne tun.
"Ringier bei den Leuten" stellt die Anfänge des Konzerns in den sozialhistorischen Kontext. Als Johann Rudolf Ringier 1833 in Zofingen seine Druckerei gründete, befand sich der Aargau politisch in einer frühliberalen Aufbruchsphase, die mit einer deutlichen Expansion der Presse einherging. Gleichzeitig lebte die Mehrheit der ländlichen Bevölkerung in einem "Milieu sozialer Enge" (S.59). Mit dem "Zofinger Wochenblatt" und lokalen Druckaufträgen erwirtschaftete der Firmengründer die ökonomische Basis. Der Sohn Franz Emil Ringier erweiterte diese, indem er in eine Schnellpresse investierte. Der Enkel Paul August Ringier hatte dann das Kapital, um systematisch das Verlagsgeschäft auszuweiten. In der Folge erweisen sich die Tiefdruckkompetenz und andererseits die verlegerische Orientierung an den "Megatrends im deutschen Reich" (S.71) als wesentliche Erfolgsfaktoren. 1911 wurde die "Schweizer Illustrierte Zeitung" gegründet. Bis weit nach dem 2. Weltkrieg gehörte zudem eine strikte politische Neutralität zum journalistischen Grundprinzip der Ringier-Blätter.
1959 kam in Anlehnung an Springers BILD die Zeitung "Blick" heraus, was Lüond als "Ankunft eines marktorientierten und kommerziell gesteuerten Journalismus in der bis dahin politisch-pädagogisch ausgerichteten Schweizer Pressewelt" (S.233) beschreibt. Der Autor kann hier als Angehöriger der Redaktion 1974-1980 viele Interna beitragen.
Es wird nicht ausgespart, dass das Familienunternehmen unter Paul August bis in das Jahr 1960 patriarchalisch bzw. gar "feudalistisch" (S.185) geführt wurde - eine Rolle, die auch aus anderen Verlagshäusern (denkt man etwa an Burda) vertraut erscheint. Sohn Hans Ringier entwickelte dagegen einen konsequent umgänglicheren Führungsstil und besetzte den Verwaltungsrat mit unabhängigen Persönlichkeiten.
Ab 1972 wurde der Konzern unter dem neuen Direktionspräsidenten Dr. Heinrich Oswald nach modernen Management-Prinzipien neu strukturiert. Die Söhne von Hans Ringier - Christoph und Michael Ringier - haben ab 1985 als Konzernlenker schließlich die Expansion in andere Medien und die Internationalisierung forciert.
Das Buch von Lüönd ist, indem es häufig Rahmenbedingungen schildert und auch Anekdotisches einflicht, gut lesbar und mit journalistischen Stilmitteln gestaltet, was sich vor allem in den betont reißerischen Zwischenüberschriften niederschlägt. Dem Autor ging es darum, sowohl der historischen Entwicklung als auch allen Bereichen des Unternehmens gerecht zu werden. Die wenigen Großkapitel sind in viele kurze Abschnitte untergliedert, die jeder für sich stehen. So eignet sich das Buch - für eine Jubiläumsschrift durchaus angemessen - auch zum Schmökern und sporadischen Lesen. Stringenz und Systematik werden dann hoffentlich von der wissenschaftlichen Konzerngeschichte nachgeliefert.
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Tsvasman, Leon R. (Hrsg.):
Das Große Lexikon Medien und Kommunikation. Kompendium interdisziplinärer Konzepte
Würzburg: Ergon Verlag 2006. 425 Seiten, 38,00 EUR, ISBN 978-3-89913-515-2
(av) Das Konzept dieses Lexikons ist es, eine Stichwort-Mischung aus der Kommunikationswissenschaft, den traditionellen geisteswissenschaftlichen Disziplinen und aus übergeordneten Begriffen vorzulegen. Als Ziel wird interdisziplinäres und transdiziplinäres Arbeiten und Verständnis benannt.Die rund 130 ausführlichen Stichwörter erschließen sich über den Index, einer annotierten Stichwort-Inhaltsübersicht und über Querverweise. Hierbei sollen in anderen Werken unterrepräsentierte Begriffe ausführlicher behandelt werden. Ergänzend sind auch Kurzbiografien von Kommunikationsforschern und einige Abstracts von Grundlagenwerken aufgenommen. An dem Werk waren 30 Wisssenschaftler aus den unterschiedlichen Disziplinen beteiligt.
Die Begriffe des Werkes decken einerseits ein breites Spektrum ab - von der Erkenntnistheorie ("erklären") bis zum harten Marketing ("Customer Relationship Marketing"). Andererseits führt dies zu erheblichen Lücken: Es fehlen z.B. völlig "Plakat" oder "Distribution". Und während sich die Hauptstichworte "Fernsehen", "Fernsehfilm", "Fernsehserie" und "Film- und Fernsehkritik" hintereinander reihen, gibt es weder "Presse" noch "Zeitung", "Zeitschrift". Wer hierüber etwas erfahren will, findet unter "Medienberufe" die einzigen (wenigen) systematisierenden Zeilen. Dafür gibt es dann wieder die Stichworte "interkulturelles Verhandeln" und "interkulturelle Wirtschaftskommunikation".
Die Auswahl der "bedeutenden Kommunikationsforscher" dürfte nicht einmal bei den Klassikern unumstritten sein. Anders, Arnheim, Enzensberger, Brecht - klar, die haben Bedenkenswertes gesagt und geschrieben, aber "bedeutende Kommunikationsforscher" waren sie nicht. Und für die deutsche "Neuzeit" stehen Ungeheuer, Noelle-Neumann und S.J.Schmidt? Wem nützt nun dieses Werk? Hier gilt das bereits so oft gemachte Fazit: Als Basis-Nachschlagwerk ist das Buch nicht geeignet. Es ergänzt den Lexika-Bestand im Regal in der Hoffnung, insbesondere für die Vertiefung abstrakter Begriffe wie z.B. "Aufmerksamkeit", "Erlebnis", "Ethik", "Intersubjektivität" u.a.m. anregende Erklärungen zu geben.
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Angeletti, Norberto und Alberto Oliva:
VOGUE. Die illustrierte Geschichte des berühmtesten Modemagazins der Welt
München: Collection Rolf Heyne 2007. 440 S. 98 Euro. ISBN 978-3-89910-351-9.
(md) Die Geschichte einer Zeitschrift zu schreiben, noch dazu wenn diese bereits mehr als hundert Jahre besteht und zudem eine internationale Marke mit diversen landes-spezifischen Ausgaben darstellt, ist ein sehr umfassendes Projekt.Viele Aspekte sind hierbei zu berücksichtigen: Die Persönlichkeiten der Verleger, Chefredakteure, Art Directoren, die Zielgruppen und die konkurrierenden Zeitschriften. Veränderungen im Leser- und Anzeigenmarkt gilt es ebenso über einen längerem Zeitraum zu verfolgen, wie Veränderungen im Layout und im inhaltlichen Spektrum. Viele Jubiläumsschriften umgehen das Problem dieser Materialfülle, indem sie sich ins Anekdotische flüchten und nur schlaglichtartig einige Fakten herauspicken. Anders die Autoren des vorliegenden Bandes - beide international tätige Journalisten -, die sich sehr wohl bemüht haben, die Aufgabe sehr breit anzugehen, allerdings im wesentlichen beschränkt auf die amerikanische Ausgabe der Vogue.
Zielgruppe des Buches ist die Leserschaft der Zeitschrift Vogue - entsprechend handelt es sich um einen ästhetisch sehr hochwertigen Bildband mit vielen spektakulären Fotos aus der Geschichte des Modemagazins. Diese Geschichte wird weitgehend chronologisch aufgerollt, ohne jedoch systematisch gegliedert zu sein. Im Mittelpunkt der lose gefügten Kapitel stehen zum einen die das Blatt prägenden Personen, zum anderen die jeweils dominanten Strömungen und Akteure der Modefotografie. Die Texte sind kenntnis-, faktenreich und gut lesbar geschrieben. Sie werden ergänzt um einige Originaltexte von Autoren wie Susan Sonntag und einige Interviews u.a. mit dem Verleger S.I. Newhouse.
Die Vogue wurde 1892 als Gesellschaftsblatt der New Yorker Oberschicht gegründet. Condé Montrose Nast, der bereits Erfahrungen als Werbeleiter und Verlagsangestellter gesammelt hatte, übernahm das Magazin 1909 und baute es rasch zu einer der führenden Frauen- und Modezeitschriften der USA aus. 1916 erschien - zunächst kriegsbedingt - die erste Auslandsausgabe in England, 1920 folgte die französische Vogue. Condé Nast, dessen Name noch heute für ein internationales Verlagsimperium steht, verfolgte von Anbeginn ein konsequent elitäres, auf den Anzeigenmarkt hin orientiertes Konzept: Vogue sollte ein Magazin für die konsumfreudige Oberschicht sein und die Exklusivität in der dargestellten Mode wie in der fotografischen Präsentation wurde zum Markenzeichen. Ausführlich widmen sich die Ageletti/Oliva den jeweils in ihrer Zeit profiliertesten Fotografen der Vogue und arbeiten das Charakteristische und Neue an deren Stil heraus. Auch biografische Fakten sind hier einbezogen. Deutlich wird, dass Zeitschriften wie Vogue Fotografiegeschichte geschrieben haben, indem sie vielversprechenden oder bereits etablierten Fotokünstlern ein Betätigungsfeld boten. Bevor in den 30er Jahren sich Fotos auf den Titelblättern durchzusetzen begannen, arbeiteten viele renommierte bildende Künstler als Illustratoren für die Vogue. Jessica Daves stärkte ab 1952 als Chefredakteurin zudem den intellektuellen Anspruch des Blatts und verpflichtete renommierte Schriftsteller als Autoren.
Eine Zeitschrift muss sich laufend ändern, sich dem Zeitgeschmack und den Marktbedingungen anpassen, um erfolgreich zu bleiben. In der vorliegenden Geschichte der Vogue wird das anschaulich: Etwa als in den 30er Jahren eine sportliche Mode und ein aktiveres Frauenbild die vorher dominierende, weitgehend mondäne Studiofotografie ablösten und Außenaufnahmen von Alltagssituationen Einzug hielten. In den 60er Jahren begleitete die Vogue unter der exzentrischen Chefredakteurin Diana Vreeland die Flower-Power-Generation mit exotischen Traumwelten und konzentrierte sich nach einem eindeutigen Konzeptwechsel in den 70ern unter Grace Mirabella auf das neue Leitbild der berufstätigen Frau. 1993 erschien erstmals die Zeitschrift "Instyle", die über Mode und Lifestyle der Stars berichtete. Hierauf hat auch die Vogue reagiert und den Faktor Prominenz in ihrem Konzept erhöht.
Eine Zeitschrift muss sich aber auch treu bleiben und braucht einige grundlegende Konstanten, um nicht austauschbar zu werden. Bei der Vogue wurden diese vor allem durch die den Verlag führenden Persönlichkeiten aufrechterhalten. Condé Nast sorgte bis zu seinem Tod 1942 dafür, dass sein klares Konzept eines glamourösen, statusorientierten Modemagazins nicht verwässert wurde. Von 1943 bis 1995 garantierte Alexander Liberman als Art Director und ab 1962 als Redaktionsleiter aller Condé Nast Magazine die Kontinuität in der optischen Erscheinung des Blatts. Insbesondere verfolgte er ein hohes Niveau in fotografischer Qualität und Originalität - das auch zuweilen die Provokation mit einschloss.
Es versteht sich von selbst, dass ein Buch wie das hier besprochene nicht die wissenschaftlichen Ansprüche einer Zeitschriften-Historie einlöst. Insbesondere die wirtschaftlichen Aspekte der verlegerischen Entwicklung bleiben deutlich unterbelichtet. Jedoch bietet der vorliegende Band mehr, als über die meisten wichtigen deutschen Zeitschriften-Marken bisher zusammengetragen und veröffentlicht wurde.
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Altmeppen, Klaus-Dieter und Matthias Karmasin (Hrsg.):
Medien und Ökonomie Band 3: Anwendungsfelder der Medienökonomie
Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2006. 218 Seiten, 22,90 EUR, ISBN 3-531-13634-8
(vo) Rezension folgt in Kürze
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Altmeppen, Klaus-Dieter und Matthias Karmasin (Hrsg.):
Grundlagen der Medienökonomie 1/2: Soziologie, Kultur, Politik, Philosophie, International, Geschichte, Technik, Journalistik
Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2003. 266 Seiten, 22,90 EUR, ISBN 3-531-13632-1
(vo) Rezension folgt in Kürze
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Breyer-Mayländer, Thomas und Andreas Werner:
Handbuch der Medienbetriebslehre
München/Wien: R.Oldenbourg 2003. 452 Seiten, 29,80 EUR, ISBN 3-486-27356-6
(vo) Eine umfassende und zugleich systematisch aufbereitete Materialsammlung zur Medienwirtschaft stellt dieses Handbuch bereit. Es gliedert sich in sechs Kapitel, darunter Medienbetriebslehre, Medienmärkte, Mediengattungen, und Betriebswirtschaftliche Funktionen in Medienunternehmen.
Unter den Mediengattungen wird auch die "Musik" als eigene Gattung geführt, hier wäre die Bezeichnung Tonträgerindustrie wohl angemessener. Zudem wird die Zusammenfassung von "Publikums- und Fachzeitschriften" der Bedeutung von Publikumpresse einerseits und Fachpresse andererseits nicht gerecht.
Unter den betriebswirtschaftlichen Funktionen werden auch Aspekte wie Personal, Innovation, Workflow oder Qualitätsmanagement abgehandelt. Hervorzuheben ist der saubere, stringente Aufbau der einzelnen Kapitel und die gute Lesbarkeit. Hierbei wird das jeweilige Thema sowohl im Kern als auch in seinen Randbezügen transparent. Vielfältige Abbildungen veranschaulichen den Stoff. Die Orientierung wird durch ein tief gestaffeltets Inhaltsverzeichnis, Randtexte und einen Index am Ende des Buches erleichtert.
Fazit: Das ausführliche Werk stellt die Medienbranche aus BWL-Sicht systematisiert dar. Es bietet einen großen Materialfundus und gibt viele Hinweise auf weitere Quellen.
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